Geschichtsstunde im Mieterclub

Bürgerclub
// 28.08.2017 // Martina Wilczynski

Einen Blick in die Geschichte des eigenen Wohnumfeldes zu werfen, ist immer ganz gut und so kann man viele interessante Dinge erfahren. Dazu hatte am vergangenen Samstag der Schlaatz-Bürgerclub in den Mieterclub, in das Hochhaus Schilfhof 20 eingeladen.  Gut ist es da, dass es Experten aus der Nachbarschaft gibt, die einiges erzählen können. Petra Sell, die Leiterin des Mieterclubs und der Historiker Dr. Hans-Jürgen Paech, die seit 1974 hier Am Schlaatz leben, wussten interessante Informationen zu vermitteln.

 

Petra Sell erinnerte sich an die ersten Jahre hier im Stadtteil.  So musste um überhaupt bauen zu können überall Kies in einer Höhe von   zwei Metern aufgetragen werden. Beschwerlich waren die Wege und oft sehr hucklig und mit tonnenschweren Metallplatten etwas wegbarer gemacht. Auch die Versorgung mit öffentlichen Verkehrsmitteln war noch nicht ausreichend. So mussten abenteuerliche Wege durch die benachbarte Kleingartenanlage genommen werden.  Die Straßenbahntrasse zum Stern gab es zwar schon. Aber bis die Haltestellen fertig waren, dauerte es noch einige Zeit. Immerhin gab es seinerzeit schon die ersten Kitas,  Schulen und Einkaufsmöglichkeiten.  Im ersten Bauabschnitt bei den Horsten,  waren die Balkone und die Höfe größer gebaut worden, als in den anderen Bauabschnitten. Das war dem Umstand geschuldet, dass die Wohnungsknappheit zu DDR-Zeiten jeden verfügbaren Platz benötigte. Auch war der Schlaatz kein sozialer Brennpunkt wie heute. Hier wohnten Menschen aus der privilegierten Schicht, so Petra Sell. Das waren Armeeangehörige,  Polizisten,  Professoren, Lehrer,  Betriebsdirektoren und andere mehr. Besonders froh, so Petra Sell weiter, war man als in der Nachwendezeit die Rechten versucht haben, den Schlaatz für sich zu vereinnahmen. Das haben wir erfolgreich abgewehrt. Petra Sell hat dies alles und noch mehr dazu in einem Schlaatz-Buch, das 2013 erschienen ist festgehalten. Es ist bei ihr im Mieterclub  für 7,50 € zu erhalten. Es lohnt sich da reinzugucken. Unterstützung hat sie da von vielen Seiten bekommen. So auch von Dr. Hans-Jürgen Paech.

 

Er hat in seinen Erzählungen noch sehr viel weiter zurück in die Geschichte einen Einblick gegeben. So heisst unser Teil Potsdams seit 1867 Schlaatz. Was daher kommt, da hier Austritte von Salzwasser vorhanden waren und aus dem Slawischen kommt. Heute sollen noch unter dem gesamten Schlaatz-Gebiet eine Höhe von  etwa 300 Meter Salz vorkommen.  Wer hätte das vermutet? Aber auch dem Auerochsen wird hier eine besondere Bedeutung beigemessen.  Er lebte hier vor 10.000 Jahren. Bei Bauarbeiten wurde ein Skelett von einem seiner Artgenossen gefunden. Dieser Fund wurde wissenschaftlich untersucht und kam dabei zu internationaler Bedeutung. Heute steht jenes Skelett im Heimatmuseum in Brandenburg an der Havel.  Als es hier im Stadtteil eine Gaststätte mit dem Namen "Auerochsen" gab zierte diese am Eingang ein Bronze-Schädel von diesem Tier. Dieses Kunstwerk wurde von der Künstlerfamilie Fürstenberg geschaffen. Der Schädel soll irgendwo in einer Scheune gelagert sein.  Die Mitglieder des Schlaatz-Bürgerclub,  waren einstimmig dafür, dass der Schädel hier an den Schlaatz zurück gehört. Das auf dem Weg zu bringen, das könnte das nächste Projekt des Schlaatz-Bürgerclubs werden. Unterstützung ist hier sehr gerne gesehen.

 

Abschließend möchte ich mich bei der munteren Runde und unseren Referenten für diesen wunderbaren Samstag bedanken. Herzlichen Dank auch an die Möglichkeit dieses Treffen im Mieterclub  durchführen zu können.

Informationen zur Arbeit des Schlaatz-Bürgerclub können Sie gerne unter: buergerclub@friedrich-reinsch-haus.de,  bei der Leiterin Martina Wilczynski erhalten.

 

( Fotos: Martina Wilczynski)

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